Interessantes Podium

06.09.2016

Gestern fand in Zürich das Podium zur Frage: Ist Kinderbetreuung Privatsache oder ein gesellschaftliches Anliegen statt. Rosmarie Quadranti und Markus Notter haben sich grossartig für die Initiative eingesetzt. Leider bekamen sie von Beatrix Frey-Eigenmann und Marco Salvi keine plausible Erklärung auf die Frage, weshalb zusätzliche 120 Millionen Franken pro Jahr das anerkannte Finanzierungproblem nicht sollte lösen können.

Dr. Markus Notter hat die entscheidenden Fragen gestellt: Er als Stimmbürger stellt sich die Frage, ob die Situation mit oder ohne Initiative besser sei und er kommt auf die Antwort, dass die finanzielle Situation der Eltern mit zusätzlichen 120 Millionen Franken jährlich für die Kinderbetreuung eindeutig besser ist. Er fragte auch, weshalb es keinen Gegenvorschlag zur Initiative gab, wenn schon das Finanzierungsproblem anerkannt ist, dieser Weg über die Einrichtung eines Betreuungsfonds anscheinend nicht als der Richtige anerkannt werde. Beatrix Frey-Eigenmann sagte, die Voraussetzungen seien bereits heute gegeben, dass Gemeinden ein bedarfsgerechtes Angebot zur Verfügung stellten müssten. Sie verlangte, dass die Leute sich in den Gemeinden für eine gute Kinderbetreuung einsetzen müssten. Sie verschwieg dabei, dass a) viele Gemeinden finanziell nicht so gut dastehen wie diejenigen an der Goldküste, b) dass die Gemeinden, auch gut gestellte, oft nicht mehr Suvbentionen für die Kinderbetreuung leisten können und auch wollen und dass c) die Kosten immer noch nur auf die Eltern und dei Gemeinden verteilt sind und dadurch der Anteil der Eltern nicht kleiner wird. Für Dr. Marco Salvi ist die Initiative der falsche Ansatz, da zuerst andere Hürden für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beseitigt werden müssen. Teilzeitarbeit, flexible Arbeitgeber usw. Das ist schön und gut, auch stimmen wir ihm voll und ganz zu, dass die Gleichstellungsfrage eng an diejenige nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geknüpft ist, nur solange diese Modelle von den Eltern nicht bezahlt werden können, werden sie auch nicht gewählt, wir bleiben im alten Rollenmuster stecken und die Vereinbarkeit bleibt eine leere Worthülse. Rosmarie Quadranti hat zur recht darauf hingewiesen, dass es bei dieser Initiative vor allem um den Mittelstand geht, also diejenigen, die heute zu viel verdienen, um von Subventionen profitieren zu können und zu wenig, um sich die externe Kinderbetreuung wirklich leisten zu können. Dabei ist es ein Anliegen der Wirtschaft, die oftmals sehr gut ausgebildeten Frauen im Arbeitsprozess zu behalten, um dem inländischen Fachkräftemangel entgegen zuwirken. Wenn der KMU einen Ersatz für eine schwangere Frau suchen muss, dann kostet ihn das Stellen-Inserat im Lokalblatt mehr als die Beiträge in den Fonds. Und im letzteren Fall kommt die Frau nach ihrem Schwangerschaftsurlaub wieder in den Betrieb zurück, was, wie jeder Unternehmer weiss, Gold wert ist.

Auch nach dem Podium hat der Zuhörer keine wirklichen Argumente gehört, die gegen die Initiative sprechen, darum können alle getrost JA stimmen, auch Frau Eigenmann musste zugeben, dass auch bei einem JA die Welt nicht untergehen wird!

Dayana Mordasini, Kampagnenteam