Kibe Blog Nr. 12: Einfach JA stimmen, gopf!

23.09.2016

Das Betreuen der online Kampagne zerrt an den Nerven, denn die Kommentare vermitteln ein Bild von Menschen, die nicht zu ihren Entscheidungen stehen und deshalb anderen bei ihrer Wahlfreiheit im Wege stehen. Nachfolgender Text sagt weshalb und warum es noch wichtiger ist, dass alle jetzt JA stimmen. Von Dayana Mordasini.

Mich nervt es. Wenn ich die online Kommentare lese, kriege ich Gänsehaut. Dieses Lamento, Kinder gehören zu ihren Eltern und die sind das Beste. Aber darum geht es bei dieser Abstimmung nicht! Es geht bloss um eine gerechtere Finanzierung der Betreuung. Jeder bestimmt nach wie vor selber, welches Modell für seine Familie das Beste ist. Sie bleiben zuhause? Ok. Aber bitte nehmen Sie anderen, vor allem Frauen, die auch arbeiten wollen, nicht die Freiheit der Entscheidung, nur weil Sie sich damals anders entschieden haben! Krippen und Horte sind schliesslich keine Folterkammern, das ist wissenschaftlich untermauert. Im Gegenteil: Solche Einrichtungen werden geprüft, Eltern nicht. Wenn Kinder zuhause dem Smartphone überlassen werden, zieht kein Sturm der Entrüstung auf.

Ich gehöre zugegebenermassen zu denen, die möchten, dass Eltern sich Arbeit und Familie teilen. Heute. Früher, bei meinen ersten Kindern, habe ich die Krippe gebraucht, als ich Familie und Studium und Arbeit verbinden wollte. JA, ich wollte den Fünfer und das Weggli und Zuckersträusel obendrauf! Ich hatte eine lange Ausbildung und wollte etwas daraus machen, darum kann ich es mir heute leisten, eine gute Teilzeit-Arbeit zu haben und die andere Zeit für die Familie da zu sein, ohne externe Kinderbetreuung.

Bitte steht zu eurer Entscheidung, zuhause zu bleiben, dazu, dass ihr euch umsonst ausgebildet habt und danach 20 Jahre weg vom Fenster seid. Seid stolz darauf und zeigt nicht mit dem Finger auf die, die einen anderen Weg eingeschlagen haben. Seid mutig und gesteht den anderen echte Wahlfreiheit zu, weil nicht alle sich so entscheiden können und wollen!

Unsere Initiative baut strukturelle Hürden ab, indem sie die Lasten auf mehr Schultern verteilt. Sie trägt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei und sorgt so hoffentlich mittelfristig für ein Umdenken, damit wir morgen mehr Teilzeitstellen auch für Männer und auch in leitenden Funktionen haben. Vielleicht bewirkt das eine Entschleunigung und weniger Stress für alle. Denn ja, gestresst sind heute alle. Wer 100% zuhause bleibt, ist gestresst, weil es oftmals undankbare Arbeit ist. Ellen Ringier hat zurecht darauf verwiesen, dass Alkoholismus und Depression eng mit dem Hausfrauen-Dasein korrelieren. Wer arbeitet und die Kinder fremdbetreuen lässt, ist gestresst, weil Arbeitszeit und Krippenzeit eng aufeinander abgestimmt werden müssen. Etwas weniger Arbeit würde das Problem entschärfen. Aber: das Stimmvolk hat im Juni das bedingungslose Grundeinkommen abgelehnt! Wahrscheinlich haben all diejenigen, die nach dem Familienbild der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts schreien, Nein gestimmt.

Auch die gern beschworene Grossfamilie existiert vielerorts nicht mehr, oft sind Grosseltern aufgrund später Elternschaft bereits weggestorben oder geniessen ihren Lebensabend anderswo auf der Welt. Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein Dorf; Kinder entwickeln soziale Qualitäten im Austausch mit anderen. So kommen wir heute nicht mehr um Infrastrukturen für die Betreuung herum.

Zum Schluss all denen, welche die Keule der Überbevölkerung schwingen, ins Stammbuch: Kinder sind unser aller Zukunft! Auch Kinderlose profitieren irgendwann davon - falls wir inzwischen die Sozialwerke nicht hoffnungslos dekonstruieren. Darum: steht auch ihr zu eurer Entscheidung, keine Kinder zu haben, aber steht nicht andern im Weg, die Kinder in die Welt setzen, weil sie für sie Hoffnung verkörpern.

Und jetzt einfach JA stimmen, gopf, wir krempeln das System nicht vollständig um und wir leben auch danach noch im 21. Jahrhundert. Einfach auf einer kleinen Stufe etwas gerechter. Danke.