Richtige Analyse, falsche Schlussfolgerung

05.08.2016

Dr. Marco Salvi ist Senior Fellow und Forschungsleiter Chancengesellschaft bei Avenir Suisse. Er hat in seinem Artikel "Die andere Heiratsstrafe" zurecht festgestellt, dass die Kosten für die Kinderbetreuung ein Karrierekiller sind. Leider hat er aus der richtigen Analyse die komplett falsche Schlussfolgerung gezogen. Kommentar von Dayana Mordasini.

Ja, Herr Dr. Salvi, es trifft zu, dass die Kinderbetreuung in der Schweiz für die Eltern viel zu teuer ist und Ja, Herr Dr. Salvi, es ist auch richtig, dass die prohibitiven Kinderbetreuungs-Tarife ein Karrierekiller für Frauen sind. Ja, Herr Dr. Salvi, in der Schweiz verzichten aus diesen Gründen viele hochqualifizierte Frauen auf die Mutterschaft. Wo Sie recht haben, haben Sie recht. Leider ziehen sie daraus komplett falsche Schlüsse. Eltern wollen gut ausgebildetes und genügend Betreuungspersonal mit anständigen Löhnen, beides unabdingbare Voraussetzungen für qualitative Kinderbetreuung. Ihr Vorschlag, die Betreuungskosten auf Kosten der Löhne, der Anzahl Betreuerinnen pro Kind und der zur Verfügung stehenden Räume senken zu wollen widerspricht dem Wunsch der Eltern nach Qualität komplett. Zudem zeigt ein Blick ins benachbarte Ausland, dass die Kosten für einen Kita-Platz vergleichbar hoch sind. Es gibt keinen Spielraum, um diese zu senken! Es gibt nur eine richtige Schlussfolgerung aus ihrer prägnanten Analyse: Die Wirtschaft muss sich neben den Eltern und dem Staat endlich auch an den Kosten beteiligen. Auch und gerade avenir suisse sollte sich dem return on invest bei der Kinderbetreuung bewusst sein. Aktuell profitiert die Wirtschaft nur, ohne dass sie Verantwortung übernimmt. Wenn sie Frauen in den Führungsetagen möchten, dann sollten sie eine qualitativ hochstehende Kinderbetreuung fordern, die für die Eltern bezahlbar wird, und das geht nur, wenn sich die Unternehmen an der Finanzierung beteiligen.

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